Wie? Durch die Unterrichtung von Lernkompetenz

Richtig zu lernen, sodass Wissen auch gespeichert und abrufbar ist, kann gelernt werden - wenn den Schülern möglichst früh die passenden Lerntechniken vermittelt und diese mit ihnen eingeübt werden. "Unsere neuen Bildungs- und Lehrpläne sind heute auf viele Kompetenzbereiche ausgerichtet. Aber als Grundkompetenz vor allen anderen sollte die Lernkompetenz der Schüler stehen", lautet der Appell von Lehrerin Angelika Breitner.

Die Lehrkraft an der baden-württembergischen Schloss-Schule Kirchberg bezieht sich damit auf die Fähigkeit, dass Schüler selbstständig effiziente Lernprozesse und Arbeitsweisen planen und regulieren können. Eine Fähigkeit, bei der sie allem voran die Schulen und Lehrer in der Pflicht sehe. Lern- und Arbeitsmethoden sind zwar mittlerweile vielerorts im Curriculum verankert, diese auch in den Unterricht zu integrieren ist für Lehrkräfte angesichts voller Stundenpläne und neuer Zusatzaufgaben aber nicht immer einfach.

Umso wichtiger sei es, betont Angelika Breitner, den Unterricht der Lehrer zu entlasten, beispielsweise durch Methoden-, Lernstrategie- oder Klassenlehrerstunden, wie dies an ihrer Schule gehandhabt wird. „Methoden” heißt das notenfreie, wöchentlich einstündige Fach, in dem Breitner seit sechs Jahren an der Schloss-Schule Kirchberg das Thema „Lernen lernen” in den Klassen 5 bis 9 mit aufgreift. Im Basiskurs in Klasse 5 widmen die Schüler sich bereits ersten, digitalen Recherchetechniken, praktizieren Konzentrationsübungen zur Vermeidung von Ablenkungen und gehen der Frage nach, welcher Lerntyp sie sind, um später methodisch darauf aufbauen zu können. „Neben visuellen und auditiven Lernern zählen die meisten zu den kinetisch-motorischen Typen”, so Breitner. Also jenen, die am besten selbst aktiv in die Erarbeitung des Unterrichtsstoffs eingebunden werden und gut in Bewegung lernen können. Zudem werde den Schülern von Anfang an erklärt, wie sie ihre Lern- und Arbeitszeiten planen sollten und warum stures Auswendiglernen über Stunden hinweg wenig zielführend ist.

„Wir Lehrer sind diejenigen, die Vorbild für strukturiertes Lernen sind, umgesetzt mit jeder Unterrichtsvorbereitung und jedem strukturierten Hefteintrag”, sagt Angelika Breitner. Dieses Herangehen an Problemlösungen müsse an die Schüler weitergegeben werden. Zumal die Schüler es erfahrungsgemäß auch wertschätzten, angesichts der heutigen, eher unstrukturierten Informations- und Medienflut, Methoden für ein systematisches Vorgehen an die Hand zu bekommen. Und, fügt Breitner hinzu: Der Rat eines Lehrers oder einer Lehrerin werde immer noch eher angenommen als der von den Eltern.

Egal, ob für Schul- oder Hausaufgaben: „Das Schaffen von Lernstrukturen lohnt sich und führt nach meinen Erfahrungen auch zum Lernerfolg der Schüler“, so die Deutsch- und Kunstlehrerin der Schloss-Schule. Als Basis für die Hausaufgaben und die tägliche Vorbereitung des nächsten Schultags, werden Schüler der Schloss-Schule angehalten, sich feste Lernzeiten einzurichten, an einem ruhigen, störungsfreien Arbeitsplatz ohne Smartphone oder andere Medien und mit strukturierten Lernplänen zu arbeiten. Weitere Tipps sind: 

Am besten nicht direkt nach dem Mittagessen starten, sondern nach kurzer Ruhepause, zudem nicht zu spät abends oder gar nachts lernen.

  • Vom Leichteren zum Schwereren arbeiten, um die Motivation des bereits Erledigten mitzunehmen (Post-Its mit dem Vermerk „erledigt“ motivieren zusätzlich, indem sie bereits Geschafftes visualisieren).
  • Über-Kreuz-Speicherungen vermeiden, also z.B. nicht Englisch und Französisch in Folge lernen, da die Fremdsprachen sich sonst im Gedächtnis überlagern.
  • Lernblöcke von nicht mehr als 30 Minuten planen, im Anschluss eine kleine Pause machen und mit einem anderen Thema weiterarbeiten.
  • Spätestens nach 2 Stunden Lernzeit eine größere Pause einlegen, möglichst eine Bewegungspause ohne Medien- oder Computerspielkonsum (denn starke, emotionalisierende Reize verdrängen Gelerntes wieder aus dem Gedächtnis).

Warum bringt stundenlanges Reinpauken nichts? Die Zusammenhänge aus der Lern- und Gedächtnisforschung sind den meisten Schülern nicht bewusst. Daher sollte ihnen, vielleicht auch im Biologieunterricht, erklärt werden, dass nach mehr als 2 Stunden ohne Pause eine Gedächtnishemmung eintreten kann. Dabei überlagert zu schnell und zu viel hintereinander gelernter Stoff das vorab Gelernte. „Bei viel Lernstoff, z. B. für Schulaufgaben, raten meine Kollegen und ich den Schülern deshalb dazu, durch die rechtzeitige Erstellung von Lern- oder Wochenplänen den Lerninhalt in kleinere Portionen aufteilen”, so Angelika Breitner. Die Schüler werden angeleitet, in den Plan einzutragen, wann freie Zeiten verfügbar sind, sich einen Überblick über die Themenblöcke zu verschaffen, die gelernt werden sollten, und die Lerneinheiten sowie das Wiederholen von bereits Gelerntem auf die freien Zeiten zu verteilen.

Und: Lerntechniken wie die Erstellung von Lern- oder Wochenplänen, sollten, am besten zum Schuljahresanfang, wieder aufgegriffen und im Unterricht wiederholt werden. Ohnehin ist das Wiederholen und Verknüpfen von neuem mit bereits bestehendem Wissen die effizienteste Lerntechnik schlechthin.

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Planen, verknüpfen, wiederholen – das Lern-Erfolgsrezept

Denn: Was nicht wiederholt oder gezielt durch Aufgaben geübt wird, landet nicht im Langzeitgedächtnis und wird schlicht wieder vergessen. So ist neu Gelerntes laut Vergessenskurve von Ebbinghaus schon nach wenigen Stunden nur mehr zur Hälfte abrufbar, weshalb neues Wissen am besten schon kurz nach dem ersten Erlernen und nochmals nach ein paar Tagen wiederholt werden sollte. Praktisch angewendet wird dieses Erfolgsrezept beispielsweise beim Vokabellernen mittels Karteikastensystem, das Lehrkräfte für Fremdsprachen zu Recht gerne empfehlen.

Um Verknüpfungen zu bekannten Inhalten zu aktivieren und inhaltliche Zusammenhänge herzustellen, können Schüler zudem zu Brainstorming und der Erstellung von Mind Maps angeleitet werden. „Mit Lernblättern, Plakaten oder Mind Maps werden Themen zugleich strukturiert, können um weitere Informationen ergänzt und durch Farb-Markierungen visuell einprägsam gestaltet werden”, erklärt die Lern-Expertin der Schloss-Schule. 

Generell gilt beim Lernen: Je mehr Sinne aktiviert werden, umso besser prägen die Lerninhalte sich ein. „Daher rate ich Schülern wenn möglich immer auch zur Visualisierung”, so Angelika Breitner. Lernstoff, der sich nur schwer verinnerlichen lässt, kann auf Lernplakate oder auch Post-Ist geschrieben und an markanten Orten im Zimmer der Schüler angebracht werden, sodass er im Vorbeigehen immer wieder gelesen wird.

Mind Maps und Zusammenfassungen mittels Lernplakaten sind Techniken, die fächerübergreifend auch zur Textverarbeitung eingesetzt werden können. Die Schüler lernen, wichtige Schlüsselwörter zu unterstrichen bzw. herauszufiltern und anhand von Zuordnungen zu gliedern. Als hilfreich für das Textverständnis gilt auch das Stellen eigener W-Fragen, bevor die Schüler einen Text im Detail lesen. „Wer?”, „Wann?” und „Was?” können insbesondere durch die Fragen „Was weiß ich schon zum Thema?“ und „Welches neue Wissen erhalte ich aus dem Text?” ergänzt werden. Ziel ist das aufmerksamere Lesen eines Textes und das schnellere Erfassen des Wesentlichen.

 „Erfahrungsgemäß fließt die Integration solcher Lernstrategien oft in den Deutschunterricht mit ein”, sagt Angelika Breitner. Zu bedenken sei aber, dass Lernkompetenz und selbstständige Themen- oder Informationsaufbereitungen mit zunehmender Jahrgangsstufe auch fächerübergreifend immer wichtiger werde, z.B. für Präsentationen oder Gruppenarbeiten. Die Lehrkräfte der Schloss-Schule Kirchberg verständigen sich daher regelmäßig im Methoden-Curriculum darüber, wie Inhalte aus dem Methoden-Kurs in das jeweilige Fach eingebunden werden können. Denn klar ist auch: Je mehr Lehrer-Kollegen einer Schule an einem Strang ziehen, auf eingeführte Lerntechniken zurückgreifen und diese im Unterricht anwenden, umso besser prägen die Methoden sich bei den Schülern ein. Letzten Endes sollten Schüler die passende Lerntechnik ja nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause anwenden und auch für ihren weiteren Lebensweg vom Training eines zielführenden Lernens und Aufbereitens diverser Themen profitieren.