Weshalb die Förderung von Social Skills noch wichtiger ist

Eine moderne Technikausstattung ist als Basis zeitgemäßer Medienerziehung natürlich unerlässlich. Aber noch wichtiger finden wir es, Schülerinnen und Schülern auch umfassendes Hintergrundwissen zu Chancen und Risiken zu vermitteln und sie beim sicheren und zielführenden Umgang mit den gebotenen Möglichkeiten mehrdimensional anzuleiten und zu unterstützen. Wir setzen deshalb auf ein Medienbildungskonzept, das sowohl auf die Vermittlung von Technik-Know-how als auch auf die Vermittlung beziehungsweise Stärkung sozialer Fähigkeiten und moralischer Kompetenz setzt. Das hat dann vielfach weniger mit Technik, aber sehr viel mit der Person des einzelnen Schülers zu tun. Tatsächlich hat unser privates Gymnasium und Internat Schloss-Schule Kirchberg an der Jagst auf Basis der baden-württembergischen Landes-Lehrpläne und -Vorgaben ein Medienerziehungs-Konzept entwickelt, das auf insgesamt vier Säulen baut:

  1. Zeitgemäße Technik (und das Wissen, wie damit umzugehen ist),
  2. ein den Chancen und Risiken der heutigen Digitalmedien gerecht werdender Unterricht,
  3. die Einbindung von Schülern mittels eines Schüler-helfen-Schüler-Konzepts sowie
  4. eindeutige Regeln, die im Idealfall auch von den jeweiligen Elternhäusern mit getragen und durchgesetzt werden.

1. Zeitgemäße Technik Die Technikausstattung der Schule muss der digital-medialen Lebenswirklichkeit entsprechen

Wir meinen: Entscheidend ist, dass eine Schule heute die aktuelle Digital- und Medien-Lebenswirklichkeit abbilden muss, um die Kinder und Jugendlichen adäquat bilden zu können. Als private Schule tun wir uns da bei den entsprechenden Investitionen wahrscheinlich etwas leichter als andere. Aber wir halten das auch für unabdingbar. Es kann doch nicht sein, dass das Smartphone eines 8.-Klässlers ein größeres Speichervolumen hat, als die Rechner der Schule!

In unserer Schloss-Schule verfügt deshalb schon jetzt jedes Klassenzimmer und jeder Kursraum über einen Beamer, einen hochleistungsfähigen Laptop mit Soundsystem und eine Dokumentenkamera. Einer der Kursräume ist außerdem mit einem Smart Board und einem Laptop-Wagen mit insgesamt 20 Laptops ausgestattet – so dass bei der Maximalklassengröße der Schloss-Schule von 20 Schülern alle für entsprechende Aufgaben mit einem Gerät ausgestattet werden können.

Im Naturwissenschaft- und Technikraum sind darüber hinaus ein 3-D-Drucker sowie ein weiterer Laptopwagen vorhanden. Außerdem verfügt die Schule für die insgesamt maximal 350 Schülerinnen und Schüler auch noch über einen iPad-Koffer mit insgesamt 20 iPads (ein zweiter Koffer wird kommen). Alle Lehrer, die damit arbeiten, wurden ebenfalls mit einem iPad ausgestattet. Schule und Internat sind ergänzend dazu mit einem hochleistungsfähigen WLAN ausgerüstet, das über mehrere Stufen hinweg für unterschiedlichste Nutzergruppen und Anwendungen freigeschaltet ist - oder freigeschaltet werden kann.

„Unser Ziel ist es, möglichst die gesamte Bandbreite an Technik zur Verfügung zu stellen, so dass die Kollegen diese Technik je nach Unterrichtssituation mal mehr, mal weniger intensiv mit einbinden können.“

Alexander Franz, Schulleiter der Schloss-Schule

Um zeitgemäße Digital- und Onlinetechnik zielführend in den Unterricht einzubinden, finden regelmäßige Schulungen statt. Beispielsweise gibt es eine iPad-Lehrer-Gruppe, in der technisch besonders versierte Lehrer ihre Kollegen weiterbilden. Um den Kindern die Vorteile der digitalen Medien näherzubringen, wird Schülern von der fünften bis zur achten Klasse von Seiten der Schloss-Schule außerdem jedes Schulbuch immer auch als E-Book, also in digitaler Form, zur Verfügung gestellt.

Der Umbau im Verwaltungsbereich wurde strategisch sinnvoll genutzt, um aus dem großen Musiksaal einen großen Präsentationsraum mit einem 85 Zoll Multitouchdisplay und Dolby Surround 7.1 Anlage zu machen. Damit ist dann auch möglich in Kinoqualität Filmanalysen durchzuführen bzw. selbst erstellte Filmprojekte zu präsentieren.

Ein weiterer, zukunftsweisender Raum mit Virtual Reality- Technik ist ebenfalls schon in Planung. Damit wird es dann möglich sein historische Orte, Museen oder andere Zeiten, in denen z.B. Dinosaurier lebten, dreidimensional und fotorealistisch im Klassenzimmer zu erleben.

2. Den heutigen Digitalmedien gerecht werdender Unterricht Schule der Person – als Schule für eine „korrekte“ Digitalmediennutzung

Die Ausstattung mit zeitgemäßer Technik ist wichtig, löst aber nicht die Frage: Wie wird den Schülern an der Schloss-Schule denn nun nahegebracht, wie sie mit dieser und vor allem mit ihrer jeweiligen privaten Digitaltechnik zielführend umgehen sollten? „Tatsächlich werden dafür bei uns bereits ab Klassenstufe 5 wesentliche Grundlagen geschaffen“, so Angelika Joachimsthaler, die an der Schloss-Schule unter anderem das notenfreie Fach ‚Methoden‘ lehrt.

„So vermitteln wir zum Beispiel eben nicht nur den Umgang mit gängiger Software, sondern eben auch schon unseren Fünftklässlern unter anderem das Basis-Know-how für eine zielgerichtete Suchmaschinennutzung und die richtige Einordnung der gefundenen Suchergebnisse. Die Schüler sollen von Anfang an qualitativ ‚gute‘ von ‚schlechten‘ Ergebnissen unterscheiden können!“

Mindestens genauso wichtig ist uns außerdem die Vermittlung eines respektvollen Umgangs miteinander – und zwar sowohl im persönlichen Kontakt als auch zum Beispiel über die Sozialen Medien. Sowohl im Fach „Methoden“, aber eben auch in allen anderen Fächern setzen wir auf eine umfassende Vermittlung sozialer Kompetenzen. Die Schüler setzen sich deshalb mit Methoden zur Stressbewältigung und zur gewaltfreien Konfliktbewältigung auseinander – und zwar sowohl bei der Methodenaneignung, aber auch in dazu passenden Fachzusammenhängen des Regelunterrichts.

Wir sind sicher: Dieser Aspekt ist keine Technikfrage. Insofern können und müssen hier Fächer wie Deutsch, Geschichte oder Sozialkunde einen ganz wesentlichen Beitrag leisten.

Ein weiterer wichtiger Lerninhalt im Zusammenhang mit den neuen Medien- und Digitaltechnologien ist außerdem das Thema „Sicherheit und Recht“. Sowohl um sich selbst vor Datenmissbrauch anderer zu schützen als auch, um nicht selbst unbewusst gegen geltendes Recht zu verstoßen. Deshalb nimmt dieser Themenbereich ebenfalls einen größeren Teil des spezifischen Unterrichts ein. Um die Kinder und Jugendlichen für dieses so wichtige Thema zusätzlich zu sensibilisieren, laden wir genau dafür auch immer wieder externe Referenten ein!

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3. Schüler-helfen-Schüler-Konzept Mit Hilfe der SMEPer

Auch wir an der Schloss-Schule wissen: Wie Kinder und Jugendliche die Digitalmedien nutzen, erlernen sie auch – und gerade - von anderen Kindern und Jugendlichen. Gerade deshalb haben wir uns sehr frühzeitig dazu entschlossen, diesen Effekt aktiv aufzunehmen und an Digitalthemen interessierten Schülern die Teilnahme an dem vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg angebotenen Schülermedienmentoren-Programm (SMEP) zu ermöglichen und so zu einer der baden-württembergischen SMEP-Schulen zu werden.

Insgesamt 21 Schloss-Schul-Kinder und -Jugendliche der Klassenstufen Fünf bis Zehn haben sich Ende 2018 in 40 Stunden zu „SMEP“ern ausbilden lassen und bringen ihr Wissen nun gezielt in Unterricht und Alltagsleben an der Schloss-Schule ein. „Die Bandbreite unserer Aktivitäten“, so Damiano Müller, 16 Jahre alt und einer der beiden gewählten SMEP-Gruppenleiter, „ist groß - und reicht von der Erstellung von Videos für Unterrichtsprojekte bis zur Unterstützung bei Hardwareproblemen oder Fragen zu Sicherheitseinstellungen.“ Tatsächlich wurde zwischenzeitlich mit Unterstützung von Schulleiter Alexander Franz sogar eine Art SMEP-Schulfirma gegründet, über die Multimedia- oder Audiovisionsbeiträge bei den SMEPern „bestellt“ werden können. Elias Peschke, 15, der zweite Sprecher der SMEP-Gruppe an der Schloss-Schule: „Wir sind immer mit mindestens einem SMEPer in jeder Klassenstufe vertreten und koordinieren uns bei Anfragen dann so, dass jüngere SMEPer bei Bedarf von den älteren mit unterstützt werden.“

Damit die SMEPer handlungsfähig sind, wurden sie von Seiten der Schloss-Schule mit entsprechendem Equipment ausgestattet. So verfügt die Gruppe unter anderem über eine hochleistungsfähige Kamera, ein Audioaufnahmegerät, Stative, eine hochleistungsfähige (und adäquat versicherte) Flugdrohne sowie einen eigenen Laptop für Bild- und Tonschnitt sowie für Recherchen. In nächster Zukunft soll diese Technik sukzessive weiter ergänzt werden. „Ich denke, technische Ausstattung und erworbene Kompetenz werden auch wahrgenommen. Von Mitschülern werden wir schon jetzt immer mal wieder auch bei persönlichen Sicherheitsproblemen oder bei Fragen zum Verhalten im Web kontaktiert. Das wollen wir weiter ausbauen und gerade den jüngeren bei Interesse eventuell mit eigenen kleinen Veranstaltungen Hilfestellung geben“, so Damiano Müller. „In jedem Fall hat sich der enorme Aufwand der Ausbildung wirklich gelohnt“, ergänzt Elias Peschke, „über das SMEP-Programm und mit Unterstützung der Schule können wir uns in unserem Hobby ausleben, haben einen zertifizierten Zusatzabschluss des Landes Baden-Württemberg und können anderen dabei helfen, besser mit den Möglichkeiten moderner Digital- und Medientechnik zurechtzukommen.“

Ab nächstem Schuljahr soll auch noch ein Graduierungskonzept mit Punktesystem eingeführt werden, in dem sich die SMEPer spezialisieren und weiterbilden können. So soll es in den Themenfeldern „Video“, „Bild“, „Ton“, „Technik“ und „Medienschutz“ jeweils vier Stufen der Spezialisierung geben, die man durch erfolgreich absolvierte Aufgaben und den damit verbundenen Punkten erreichen kann. Die Schüler, die eine gewisse Stufe erreicht haben, können dann auch wiederum andere Schüler in diesem Bereich ausbilden. Auch hierfür bekommen die Schüler am Schluss ein Zertifikat mit den jeweiligen Themenfeldern und erreichten Stufen.

4. Eindeutige Regeln Verbindlichkeit lässt sich nur mit Unterstützung der Elternhäuser durchsetzen

Was die Digitalmediennutzung über eigene Geräte betrifft, gelten an der Schloss-Schule eindeutige Regeln: Während des Unterrichts ist es grundsätzlich untersagt, das eigene Smartphone zu nutzen – außer bei den von Lehrern initiierten Rechercheaktivitäten „use-your-own-device“. Im Internatsalltag wurden unter aktiver Beteiligung der Internatsschüler ebenfalls klare und altersspezifische Nutzungsregelungen festgelegt. Entscheidend ist zudem, dass Schule, Internat und die Elternhäuser an einem Strang ziehen – um den Kindern und Jugendlichen gemeinsam verbindliche Leitlinien zu vermitteln.

Aus diesem Grund veranstalten wir unter anderem auch regelmäßig entsprechende Elternabende – zum Beispiel gemeinsam mit Präventionsbeauftragen der baden-württembergischen Polizei. Bei diesen Abenden werden dann die vielfältigen Gefahren aufgezeigt, denen die Kinder und Jugendlichen heute ausgesetzt sind – sowie Tipps und Hinweise gegeben, wie Eltern durch ehrliches Interesse für die Aktivitäten ihrer Kinder und durch klare und eindeutige Vorgaben und Regeln Hilfestellung beim Umgang geben können.

Der bekannte Kinderbuchautor und ausgebildete Lehrer Dr. Manfred Hinrich formulierte einmal den als Zukunftsbefürchtung zu interpretierenden Satz: „Die Technik galoppiert ihrem Reiter davon“.

Damit genau das nicht geschieht und Kinder und Jugendliche moderne Digital- und Online-Technik aktiv, zielführend und kontrolliert nutzen (statt von dieser Technik „getrieben“ zu werden), ist es wichtig, sich nicht (allein) auf die Vermittlung von technischem Benutzerwissen zu fokussieren, sondern ganzheitlich dabei zu helfen, die mit diesen technischen Entwicklungen möglichen Chancen zu nutzen, ohne dabei die Risiken außer Acht zu lassen.