Plädoyer für ein förderliches Schulfach, das immer noch nicht den Status hat, den es verdient

Theaterspiel stärkt die Persönlichkeit und kann rückwirkend sogar die Leistungen von Schulkindern steigern. Diese positive Wirkung bezeugen nicht nur Theaterpädagogen wie Lars Saltuari von der Schloss-Schule Kirchberg, sondern auch eine wissenschaftlich fundierte Vergleichs-Studie.

(Kirchberg/Jagst) Ja, fast jede Schule hat sie im Angebot: Künstlerisch-darstellende Kurse wie die Musical-AG, den Chor, die Schüler-Big Band oder auch Theater-Gruppen. Doch Kultur und Theater werden nach wie vor oft zur Nebensache degradiert. „Dabei ist gerade Theater an Schulen der Bereich, der am stärksten verteidigt gehört“, betont Lars Saltuari, der seit fast 20 Jahren Theater-AGs und -Kurse als Lehrkraft am Gymnasium Schloss-Schule in Kirchberg betreut. Mit seiner Ansicht, dass im Theaterspielen ein „riesiges Potenzial“ steckt, das sich positiv auf die sozialen Kompetenzen sowie die Persönlichkeitsentwicklung von Schülern auswirkt, steht er nicht alleine. Die positiven Erfahrungen aus unzähligen Schulprojekten oder pädagogischen Modellen, die dem Theaterspiel einen wertvollen Bildungs- und Lerneffekt bestätigen, sind breit gestreut. Dass Theaterpädagogen mit ihren Beobachtungen und Vermutungen offenbar richtig liegen, ist sogar wissenschaftlich bestätigt.

Mit Einzug des Schulfaches „Darstellendes Spiel“, „Literatur und Theater“ oder auch „Theater und Film“ in die Lehrpläne der gymnasialen Oberstufe, vereinzelt auch an Gesamtschulen, ist sicherlich ein wichtiger Schritt getan. In einigen Bundesländern, unter anderem Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen oder Baden-Württemberg, kann in dem meist als Wahlfach konzipierten Fach sogar das Abitur abgelegt werden. Davon, dass das Theater an Schulen auf dem Vormarsch ist, würde Theater-Lehrer Lars Saltuari aber dennoch nicht sprechen. „Vor allem nach dem Pisa-Schock steht das Fach Theater nach wie vor unter Rechtfertigungsdruck“, sagt der Pädagoge. Und das, obwohl es sogar gelungen ist, die positive Wirkung des Theaterspiels im Hinblick auf Persönlichkeitsentwicklung und Kompetenzvermittlung wissenschaftlich zu belegen: In ihrer Dissertation hat Romi Domkowsky an der Universität der Künste in Berlin eine Wirkungsstudie zum Theaterspielen an Schulen durchgeführt. Im Abgleich mit einer Vergleichsgruppe konnte sie schon nach einem Jahr ein Mehr an Offenheit, Zufriedenheit und ein selbstsichereres Auftreten der theaterspielenden Schüler attestieren. Zugleich verwies die heutige Professorin für Kindheitspädagogik an der Hochschule Berlin in ihrer Studie auf einen nachhaltigen Lern- und Leistungseffekt des Theaterspiels, da damit offenbar Lernmodi verbunden seien, „die tief implementierend wirken“, so die Autorin.

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„Jahr für Jahr habe ich Schüler in meinen Theater-Kursen, die merklich vom Theaterspielen profitieren – auch rückwirkend auf ihre schulischen Leistungen“, bestätigt Lars Saltuari den förderlichen Effekt aus der Theater-Praxis an der Schloss-Schule. Die Schulung der eigenen Wahrnehmung und der Wahrnehmung der Mitschüler, die Mobilisation aller Sinne, das Gedächtnistraining, der Abbau von Scham und Unsicherheit durch Stärkung der körperlichen Präsenz und nicht zuletzt die Organisation und Verlässlichkeit im Team – all diese Wirkungen kann der Theater-Lehrer aus der Summe seiner Erfahrungen bestätigen. „Jeder wird an seiner Stärke gepackt“, erklärt Saltuari, „egal ob er sich als Schauspieler, als Regisseur, als Musikkenner oder als Bühnentechniker einbringt.“

Ein konkretes Beispiel? Davon gebe es sogar viele, sagt Saltuari. Wie jenen Schüler, den der Lehrer „fast schon zum Theaterspielen gezerrt hat“, weil dieser im Deutschunterricht seine klare Stärke, sich in Figuren hineinversetzen zu können, zu wenig nutzte. Das Ergebnis: Der Junge spielte in der Abschlussinszenierung die Hauptrolle in Georg Büchners „Woyzeck“ und auch die Schulnoten gingen nach oben. „Für mich ist Theater einfach die Art von Schule, wie ich sie mir wünsche“, bekräftigt Saltuari.

Selbst die Bewertungen bzw. Benotungen in den (Oberstufen-)Kursen nutzen Theaterpädagogen wie Lars Saltuari für einen weiteren Lerneffekt: Die Schüler würden in ihrem „neutralen Blick“ geschult, indem sie sich gegenseitig kritisch bewerten. „Man muss die Schüler dabei auch nicht in Watte packen, weil sie lernen, faire und begründete Kritiken abzugeben und auch, sich selbst von außen zu sehen. Sie merken, ob ihre Darstellung mehr oder weniger erfolgreich war.“

Warum die Etablierung des Schulfachs Theater trotz aller interdisziplinärer Bereicherung und Förderlichkeit nur zögerlich vorankommt? „Es ist leider kein sofort quantifizierbares Fach und hat in unserer Leistungsorientierung kaum Platz“, meint Lars Saltuari. Oft mangele es auch an Lehrkräften wie dem Kirchberger Lehrer, die das Ruder in die Hand nehmen und intensiv Zeit in die Theater-Kurse oder Theater-AGs stecken.

Am Interesse der Schüler jedenfalls scheitere das Theaterspiel an der Schule nicht. Ganz im Gegenteil. „Wir haben regelmäßig zwei, wenn nicht sogar drei Theater-AGs in Unter-, Mittel- und Oberstufe laufen, teils sogar neben dem 2-stündigen Oberstufen-Kurs ´Theater und Literatur`“, gibt Saltuari Auskunft. „Und wenn wir unsere jährliche Theaterfreizeit haben, ist oft ein Viertel der Schüler weg.“ Ein reges Interesse der Schüler am „Darstellenden Spiel“ ist also offenbar gegeben, weshalb einige wenige Schulen in Bundesländern wie Bremen, Berlin oder Hessen das Fach auch als Grundkurs in der gymnasialen Oberstufe anbieten. In den Lehrplänen von Grund- und Realschulen ist das Schulfach „Theater“ bei einem Blick in die Zusammenstellung des Bundesverbands Theater in Schulen e.V. hingegen mehr als rar gesät. In den Klassen 1 bis 4 setzt lediglich Hamburg auf die Förderlichkeit des Theaterspiels.

Doch Lehrplan hin oder her, „es sollten immer Mittel und Wege gefunden werden, um Theater an der Schule – auch außerhalb des Lehrplans – zu integrieren“, appelliert Lars Saltuari. An der baden-württembergischen Schloss-Schule in Kirchberg habe Theater schon jahrzehntelange Tradition. Mit der „fabrik“, dem Kultur- und Werkstattzentrum, verfügt die Schule sogar über eine eigene Bühne, auf der die Schüler jederzeit „Theater machen“ dürfen – und sollen.

Die Schloss-Schule Kirchberg

1914 gegründet, zählt die Schloss-Schule Kirchberg, Baden-Württemberg, zu den bekanntesten Internatsgymnasien in Deutschland. Als weltanschaulich ungebundene Privatschule und staatlich anerkanntes Gymnasium bietet sie rund 200 Orts- und 100 Internatsschülern optimale Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Pressekontakt:

Schloss-Schule Kirchberg an der Jagst GmbH
Staatlich anerkanntes Gymnasium mit Internat
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