Warum Sport und Bewegung elementar für das Leistungsvermögen von Schülern ist

Mal kurz strecken, koordinierte Überkreuzbewegungen ausführen, durchs Klassenzimmer zu diversen Lernstationen laufen… Was bringen Bewegungsimpulse im Unterricht wirklich und hilft bewegtes Lernen den Schülern tatsächlich konkret weiter? Klare Antwort: JA! In zahlreichen Studien konnten Forscher den positiven Effekt von Sport und Bewegung auf die kognitive Leistung belegen – selbst bei kurzen, moderaten Bewegungseinheiten.

Sicher ist: Die Zeit, die Schüler mit Sport oder in Bewegung verbringen, ist mehr als gut investiert. Denn Bewegung regt nicht nur den Stoffwechsel an, sondern liefert dem Gehirn auch mehr Sinnesreize, um Inhalte zu verknüpfen – die beim Lernen besser gespeichert und abgerufen werden können. Vor allem aber führt körperliche Aktivität zur Anregung des Herz-Kreislauf-Systems, das Gehirn wird folglich besser mit Sauerstoff versorgt und die kognitive Leistungsfähigkeit so gesteigert. Ein Zusammenhang zwischen Motorik und Kognition gilt heute entwicklungs- und lernpsychologisch als unbestritten. Mehr noch: Forscher konnten sogar die positive Auswirkung von Bewegung auf die Hirnentwicklung nachweisen. 

Erkenntnisse, die angesichts der zunehmenden Zeit, die unsere Kinder in der Schule verbringen, dringlich genutzt werden sollten. Speziell durch den Ausbau der Ganztagsschulen und straffe G8-Stunden- und Lernpläne in vielen Bundesländern sei ausreichend Bewegung im Alltag immer weniger gewährleistet, beklagt auch der letzte Kinder- und Jugendsportbericht.

Umso wichtiger ist es, mehr Bewegung in die Schulen zu bringen, und den (verpflichtenden) Sportunterricht nicht als Nebensächlichkeit zu behandeln. „Dass ein paar Stunden Sportunterricht in der Woche natürlich noch nicht ausreichen, um Schülern genügend Bewegung zu verschaffen, ist selbstredend“, sagt Schulleiter und Sportlehrer Helmut Liersch von der Schloss-Schule Kirchberg. Hier kommen Bewegungspausen zur Steigerung des schulischen Leistungsvermögens ins Spiel. Also kleinere Bewegungsimpulse oder Koordinationsübungen, die bei auftretendem Konzentrations-, und Leistungsabfall – spätestens ab der 5. Unterrichtsstunde – wieder für frische Schüler-Köpfe sorgen.

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Als lernbegleitende Bewegung im Unterricht können Lehrer beispielsweise mittels Laufdiktat oder Laufvokabeln, Stationenlernen oder Projektarbeit die Schüler veranlassen, Wissen in Bewegung aufzunehmen. Auch das Lernen durch Bewegung, also das Erfassen eines Themas durch eine Bewegungshandlung, aktiviert müde Klassen – zum Beispiel in Form von physikalischen Experimenten wie Gleichgewichtstest von Schülern auf schnell gebauten Holz-Wippen oder Kräftemessen beim Seilziehen.

Selbst kleine Koordinationsübungen, wie wechselnd rechte Hand zur linken Ferse oder linke Hand zum rechten Ohr und umgekehrt bringen große Effizienz bei kleinem Aufwand. Möglich sind auch stehende Entspannungsminuten in völliger Stille, in der die Schüler auf Geräusche außerhalb des kurz zur Frischluftzufuhr geöffneten Fensters lauschen.

All diese Möglichkeiten wirken nicht nur leistungssteigernd, sondern verbessern erwiesenermaßen auch die Effizienz und Nachhaltigkeit des Lernens: Die Stimulation des Gehirns durch Bewegung begünstigt die Festigung von Hirnstrukturen und -verbindungen. Soll heißen, Wissen kann so besser erfasst, verankert und verknüpft werden.

Auch außerhalb des Klassenzimmers lohnt sich an jeder Schule der Blick auf den Schulhof, der zu Bewegung motivieren sollten: Neben Klettergerüsten oder -wänden im Pausenhof, aufgemalten Hüpfkästchen und Zielwurfflächen, können Kleingeräte wie Rugbybälle oder Frisbees auch ältere Schüler zu mehr Bewegung in den Pausen einladen.

Natürlich sollten Kinder auch nach Unterrichtsschluss zu mehr Bewegung angehalten werden. Doch bleibt am Ende das Problem, dass den Schülern oft die Zeit fehlt, um Sport zu treiben. Studien kommen auf teils 40 Stunden pro Woche, an welchen Kinder und Jugendliche in oder für die Schule lernen – mitunter wegen zu ehrgeizigen Eltern in der Maschinerie der Leistungsgesellschaft. Umso elementarer ist es, dass auch Schulen und Lehrer sich ihrer Verantwortung für mehr Bewegung ihrer Schüler annehmen.

„Unser Fokus als Internatsgymnasium ist daher darauf ausgerichtet, Schule und Sport für die Kinder optimal zusammenzubringen“, erklärt Helmut Liersch von der Schloss-Schule. Neben zahlreichen Freizeitaktivitäten und bis zu 30 AG-Angeboten kooperiert die Schule mit der Basketball-Nachwuchsschmiede der Crailsheim Merlins und hat mit Internatsleiterin Melanie Wies eine ambitionierte Turnierreiterin in den eigenen Reihen. Für diese Nachwuchsförderung werden die Trainings- und Sporttermine der Kinder individuell mit den jeweiligen Stundenplänen und Lernzeiten abgestimmt. „Denn ein gesunder Geist wohnt bekanntlich in einem gesunden Körper – und der braucht neben gesunder Ernährung eben auch viel Bewegung“, bringt Helmut Liersch es auf den Punkt.