Das sagen die Eltern…

Fachlich kompetent, engagiert, hilfsbereit: Laut aktueller Bildungsstudie stehen Eltern den Lehrern ihrer Kinder viel wohlwollender gegenüber als oft angenommen

Im Endeffekt ist es ein Geben und Nehmen – Eltern sollten, so fordern es die Lehrer, in ihrer Erziehungsarbeit die sozialen Grundlagen für eine erfolgreiche Unterrichtung und Beschulung ihrer Kinder legen. Lehrer hingegen, so die mindestens ebenso hohe Erwartung der Eltern, sollen heute nicht mehr nur Wissen vermitteln, sondern fürs Leben stark machen, Verantwortungs- und Selbstbewusstsein stärken, individuelle Kompetenzen fördern… 

Ein Geben und Nehmen, das aktuell offenbar funktioniert – zumindest aus Elternsicht. Denn die Mehrheit der Eltern zeigt sich mit den Lehrkräften ihrer Kinder sehr wohl zufrieden. Und zwar sowohl im Hinblick auf die fachliche Kompetenz der Lehrkräfte in der Wissensvermittlung und der Beziehung zu den Schülern, als auch im Hinblick auf die Kooperation der Lehrer mit den Eltern.

Dies ist das Ergebnis der kürzlich veröffentlichten 4. Bildungsstudie von Jako-O, die auf einer repräsentativen Befragung von 2.000 Eltern mit schulpflichtigen Kindern basiert, durchgeführt von Mentefactum und Kantar Emnid. Demnach halten über 80 Prozent der Eltern die Lehrer ihrer Kinder für fachlich kompetent (88 %) und schätzen es, dass die Lehrkräfte sich für eine gute Beziehung zu den Schülern einsetzen (82 %). Zudem stimmen mehr als drei Viertel der Eltern zu, dass die Lehrer sehr engagiert seien, das Interesse ihrer Schüler wecken könnten und Rücksicht auf die jeweiligen Lebensumstände der Kinder nehmen würden.  

Mehr noch: 92 Prozent der Eltern stimmten der Aussage zu, dass die Lehrkräfte sich so verhalten, dass sie sich in der Schule um ihr Kind keine Sorgen machen müssten. Und selbst mit dem direkten Kontakt zu den Lehrkräften zeigten sich mehr als 85 % der befragten Eltern zufrieden, indem sie angaben, dass die Lehrkräfte dem eigenen Anliegen ein offenes Ohr schenkten, dass sie das Gefühl hätten, dass die Lehrkräfte auch ehrlich gegenüber den Eltern seien und zudem bereit, ihnen Hilfe anzubieten. 

In Summe schnitten die Lehrer und die Schulen in den Augen der Eltern sogar um einiges besser ab, als die in der Bildungsstudie von den Eltern ebenso bewertete Bildungspolitik der Länder. Soll umgekehrt heißen, das Gros der Eltern weiß sehr wohl zu differenzieren und schiebt zu kritisierende Versäumnisse der Politik eben zurecht nicht den Lehrkräften unter.

Dass die Eltern den Lehrkräften immer positiver gegenüberstehen, konnte nicht nur im Verlauf der letzten Jako-O Bildungsstudien bestätigt werden. Auch eine Eltern-Befragung des Allensbach Instituts kam 2015 bereits zu dem Ergebnis, dass Eltern den Lehrkräften mehrheitlich wohlwollend gegenüberstehen und deren Expertenwissen zu schätzen wissen. Überraschend war dabei vor allem eines: Sogar in Erziehungsfragen wenden Eltern von Schulkindern sich in erster Linie (70 %) an die Lehrer. Diesen werde laut Allensbach-Studie in der Erziehung damit weit mehr Vertrauen entgegengebracht als anderen Eltern, Psychologen oder Kinderärzten. 

„Ja, Eltern kommen auch mit Erziehungsfragen auf uns zu – meines Erachtens sogar weit mehr als früher“, bestätigt Hanne Zilles aus eigener Erfahrung. Die Deutsch- und Französisch-Lehrerin an der Schloss-Schule Kirchberg hat angesichts einer „zunehmenden gesellschaftlichen Verunsicherung“ aber Verständnis dafür, dass Eltern immer öfter zu so genannten „Helikoptereltern“ werden - die dann allerdings mit einem Zuviel an Erziehungs-und Leistungserwartungen an die Lehrkräfte herantreten. „Das Verhältnis zu diesen Eltern ist aber aus meiner Sicht nicht grundsätzlich angespannt, denn sie lassen sich aktiv in Lösungsfindungen einbinden. Vielmehr ist das Verhältnis zu den Eltern durch die gegenseitige hohe Erwartungshaltung etwas komplizierter im Sinne von sensibler geworden. Beide Seiten müssen verständnisvoller miteinander umgehen.“ Solange man aber im Gespräch bleibe, fährt Zilles fort, sei das Eltern-Lehrer Verhältnis vor allem eines: entspannt.

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Eltern fühlen sich zunehmend entlastet

Zu einem entspannten Verhältnis trägt sicherlich auch bei, dass laut Jako-O Bildungsstudie immer weniger Eltern das Gefühl haben, „Hilfslehrer der Nation“ zu sein oder zu viel Hausaufgaben- bzw. Lernbegleitung leisten zu müssen, die eigentlich der Schule bzw. den Lehrern obliege. Eine gefühlte Entlastung, die tatsächlich stattfindet. Denn durch den Ausbau von Ganztagsschulen und Nachmittagsbetreuungen werden Lernzeiten der Kinder tatsächlich zunehmend im Schultag angesiedelt. Das begrüßen nicht nur die Eltern, sondern auch die Lehrer, die ohnehin dafür plädieren, dass Eltern neben ihrem Erziehungsauftrag nicht auch noch den Bildungsauftrag übernehmen – erst Recht nicht als übereifrige Hausaufgaben-Helfer.

Trotz allen Lobes gibt es natürlich auch Kritikpunkte an den Lehrkräften, verbunden mit dem Eltern-Wunsch nach Verbesserung. Allem voran sind dies die mangelnden Kompetenzen der Lehrer in Sachen Förderung leistungsschwächerer Schüler sowie der zu geringe Einsatz neuer Unterrichtsmethoden.  Auffällig ist bei den Bildungsstudien-Ergebnissen zur Förderung schwächerer Schüler vor allem der markante Unterschied zwischen Grundschul- und Gymnasiallehrern: Während 75 % der Eltern den Lehrern an Grundschulen bei der individuellen Differenzierung durchaus fachliche Kompetenzen zusprechen, halten hingegen nur 47 % der Befragten die Gymnasiallehrer hier für kompetent. 

Zudem sprachen sich die Eltern laut Studie dafür aus, mehr allgemeinbildende Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Ernährung & Gesundheit sowie Internet & soziale Medien gerade in den Schulen aufzugreifen, um der heutigen Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden.