Im Gespräch mit Zoe Nogai- Januar 2026

Mit Zoe Nogai im Onlinegespräch – Die ehemalige Schülerin der Schloss-Schule hat im Jahr 2015 erfolgreich ihr Abitur in Kirchberg absolviert. Zoe hat in der Schloss-Schule gelernt für sich selber einzustehen und dass ein Umgang miteinander auf Augenhöhe der eigenen Entwicklung als junger Mensch wirklich guttut und einen dies auch im weiteren beruflichen, wie auch persönlichen Werdegang trägt und Vertrauen gibt. Diese Erfahrung gibt sie heute auch an andere junge Menschen weiter, um diese zu unterstützen und zu fördern und ihnen Mut zu machen die eigenen Ziele zu verfolgen und ihre Meinungen und Denkansätze zu verfolgen.
Was fällt Dir spontan als Erstes ein, wenn Du an die Zeit an der Schloss-Schule denkst?
Ich habe die Oberstufe an der Schloss-Schule verbracht und in dieser Zeit auch meinen 18. Geburtstag in Kirchberg gefeiert. Das sind zentrale Ereignisse beim Erwachsenwerden, die ich mit der Schloss-Schul-Zeit verbinde. Daneben hat das Internatsleben natürlich meine ganze Beziehung zur Schule geprägt. Der Grad an Gemeinschaft ist nicht vergleichbar mit einer regulären Schule, wenn man eben nicht nur die Schulstunden miteinander verbringt, sondern auch zusammenlebt und sich jeden Abend und am Wochenende sieht. Die Internatsgemeinschaft geht sogar so weit, dass sie immer noch und sogar über Schulgrenzen hinweg spürbar ist: Wenn ich jemanden treffe, der auch auf einem Internat gewesen ist, versteht man sich direkt. Man weiß, dass man ganz besondere Erfahrungen teilt, die einen beim Erwachsenwerden geprägt haben, und das verbindet.
Erzähle gerne etwas zu Deinen schulischen Stationen bevor Du auf die Schloss-Schule gekommen bist.
Nach der Grundschule habe ich ein Gymnasium bei uns im Nachbarort besucht. Wirklich glücklich war ich dort nie, weshalb ich nach einem Auslandsjahr in Irland nicht zurückgekehrt bin, sondern die Schule gewechselt habe. Dass ich ein Internat besuchen konnte, wurde nur dadurch möglich, dass ich Stipendien, u.a. für meine Leistungen in Kunst, erhalten habe. Dafür bin ich sehr dankbar. An der Schloss-Schule hat sich Schule weniger nach Massenabfertigung angefühlt, hier stand im Fokus, worum es eigentlich gehen sollte: Freude am Lernen, Gemeinschaft, und Vorbereitung aufs Leben.
Was hat sich in Kirchberg geändert?
Mir ist besonders die Auswahl der Fächer in Erinnerung geblieben, beispielsweise Psychologie und Literatur. Aber auch die ganze Lernerfahrung durch kleine Klassen und Stufen, motivierte und interessierte Lehrer und die zur Verfügung stehende Ausstattung hat für ein für mich viel besseres Lernumfeld gesorgt und mir den nötigen Rahmen gegeben, den ich zum Leistung abrufen gebraucht habe.
Was hast Du als prägend erfahren? Welche Werte, Lebensweisheiten und sonstigen Dinge begleiten Dich noch heute?
Ich habe von Beginn an gewusst, dass es ein Privileg ist, dass ich ein Internat besuchen darf. Sich seiner Privilegien bewusst zu sein und entsprechend erfahren zu können ist glaube ich sehr wichtig für die Charakterbildung. Was ich auch gelernt habe, ist, dass meine Meinung Gewicht hat. Sei es bei der Leistungsbeurteilung durch Lehrer oder beim Disput mit Mitbewohnerinnen. Ich habe an der Schloss-Schule gelernt für mich einzustehen. Jede Regel ist Menschengemacht, jede Entscheidung subjektiv, insofern lohnt es sich immer zu hinterfragen, in den Austausch zu gehen und dabei aber auch zu akzeptieren, dass es mehr als die eigene Betrachtungsweise gibt.
Wie ging es nach der SK weiter?
Bereits Monate bevor ich mein Abitur in der Tasche hatte, hatte ich die Zusage für ein duales Studium bei der Deutschen Telekom. Insofern wusste ich bereits zum Zeitpunkt der Zeugnisübergabe, dass mir nur drei Monate zwischen Schulende und Studienbeginn bleiben. Diese Zeit habe ich für zwei Work and Travel Einsätze in Spanien und Großbritannien genutzt, habe als Au Pair und auf einer Farm gearbeitet, nebenher Sprachkurse besucht und gelernt, meinen Alltag selbstbestimmt und in einem fremden Umfeld zu navigieren. Nach dieser Zeit habe ich dann mein duales Studium begonnen und bin nun seit zehn Jahren in verschiedenen Gesellschaften der Telekom tätig. Begonnen habe ich im Vertrieb in München, danach war ich Assistentin eines Geschäftsführers in Bonn und bin nun Führungskraft eines IT-Teams in der Technik und lebe in Köln. Mir bereitet es Freude mich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten und dabei auch die Flexibilität zu haben an verschiedenen Standorten zu leben.
Parallel dazu habe ich mich selbständig gemacht und war als Unternehmensberaterin, Speakerin und Herausgeberin tätig. Eins meiner Herzensprojekte war dabei der Aufbau eines Netzwerks an jungen Experten, denen ich mit Publikationen in Büchern und anderen Fachmedien, sowie mit Speaking Gigs eine Bühne geben konnte. 2024 erschien beispielsweise mein zweiter Herausgeberband mit einigen dieser Talente: „Ideen von heute für die Arbeitswelt von morgen“
Seid ihr innerhalb Eures Jahrgangs noch in Kontakt? Und welche Geschichten oder Erlebnisse sind für Dich in Erinnerung geblieben?
Ich persönlich habe keinen engen Kontakt mehr, aber wie das Leben immer so spielt, trifft man sich manchmal überraschend auf der Straße, auf Festen, oder eben auf Instagram. Das sind immer schöne Momente, um kurz gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen.
An eine Anekdote aus der Schulzeit erinnere ich mich spontan: das ein oder andere Mal ist man ja heimlich auch nach „Licht aus“ noch rausgeschlichen, um andere Zimmer zu besuchen. Momente, die an Hanni und Nanni erinnern. Einmal musste es besonders schnell zurückgehen, um nicht erwischt zu werden. Dabei habe ich einen Schuh verloren. Den habe ich dann am nächsten Tag wiedergefunden – grasgrün angekaut im Ziegengehege vor meinem Zimmer. Diesen Anblick werde ich nicht vergessen.
Wofür bist Du dankbar?
Ich bin dankbar dafür, dass ich die Freiheit habe, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Es gibt wenig Punkte auf meiner Bucket List, weil ich diese fast immer einfach umsetzen und abhaken kann, sobald sie mir in den Sinn kommen. Sei es eine wundervolle Japan-Reise im letzten Jahr, ein Flugschein für mein Freiheitsgefühl oder einfach die Möglichkeit remote zu arbeiten, um ganz viel Zeit mit meiner bald 18-jährigen Hündin zu verbringen.
Was würdest Du heute, rückblickend auf Deine Schulzeit, anders machen?
Der 17-jährigen Zoe würde ich wünschen, dass sie manches leichter nimmt und sich weniger Druck macht. Es hat danach noch einige Jahre gedauert, bis ich beispielsweise meine Prüfungsangst halbwegs in den Griff bekommen habe. Ansonsten würde ich alles wieder so machen. Alle meine Entscheidungen haben mich schließlich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Würdest Du gerne die Schule und die jetzigen Schüler*innen unterstützen?
Wenn ja, was könntest Du Dir vorstellen?
Ich unterstütze gerne mit Expertise und Einblicken als Austauschpartnerin rund um Konzernleben, Quereinstiege und alle meine kreativen Projekte, wie dem Autorendasein.
Gibt es sonst noch etwas was Du teilen möchtest?
Ein Mantra, welches mich im Berufsalltag begleitet: Wenn man schlechtes Feedback von Menschen bekommt, die man nicht um Rat fragen würde, macht man alles richtig.