Warum bei einem Schulwechsel auch Internate eine Überlegung Wert sind

Tränen bei den Hausaufgaben, Noten im Sinkflug, Lernschwächen – an den schulischen Problemen mit dem Nachwuchs reiben sich so manche Eltern die Nerven auf. Und fast noch mehr an der Frage, wie es weitergehen soll. Klasse wiederholen, vom Gymnasium auf die Realschule oder auf eine Schule mit anderem pädagogischen Ansatz wechseln? Die Entscheidung über einen Schulwechsel und die vermeintlich beste Schule für die Kinder stellt für Eltern eine echte Herausforderung dar.

In diese Überlegungen werden immer öfter auch Privatschulen und Internate als Alternative zu den klassischen Schulformen mit einbezogen, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen: Seit 2001, dem Jahr der ersten Veröffentlichung der Pisa-Studie, verzeichnen Privatschulen ein kontinuierliches Wachstum. Im Schuljahr 2016/2017 besuchten bundesweit mehr als 990.000 Schüler, also jeder Elfte, eine der knapp 5.800 allgemein- oder berufsbildenden Privatschulen. Darunter finden sich auch rund 400 bis 450 Internate, die sich im Wettbewerb durch eine eigene Ausrichtung positionieren. Ihr Fokus liegt oft auf der Förderung musischer oder sportlicher Talente, auf einer konfessionell-gesellschaftlichen Werteausrichtung und zunehmend auch auf der individuellen Förderung leistungsstarker – oder auch leistungsschwacher – Schüler.

„Bei Lernproblemen wie Legasthenie, bei Konzentrationsstörungen oder anderen Lern- und Entwicklungsbesonderheiten wie Asperger Autismus sind Lehrern in großen Klassen einfach Grenzen gesetzt“, sagt Melanie Wies. Neben kleinen Klassen und der intensiven, direkten Betreuung sieht die Internatsleiterin an der Schloss-Schule Kirchberg auch den zunehmenden Leistungsdruck an Schulen als Beweggrund, sich für ein Internat zu entscheiden. „Immer öfter kommen Kinder zu uns, die eigentlich schlaue Köpfe sind, die aber mit dem Anforderungsdruck nicht zurechtkommen“, erklärt die Pädagogin.

Auch vor dem Hintergrund, dass Alleinverdiener nicht mehr die Regel sind, sondern oft beide Elternteile arbeiten müssen, stellen Internate für viele Familien eine gute Lösung dar, um den Kindern ganztags die fachkundige Betreuung zukommen zu lassen, die sie selbst im stressigen Alltag so nicht leisten können. Der Vorwurf, „Kinder an einem Internat einfach abzugeben“ sei angesichts der heutigen Familiendynamik und eines oft unsteten Familienlebens ohnehin nicht mehr zeitgemäß, meint eine Mutter aus Waiblingen, deren beide Kinder das Internat Schloss-Schule Kirchberg besuchten und dort ihr Abitur machten. „Für uns war die relative Wohnortnähe, vor allem aber die Frage wichtig, wie eine Schule oder ein Internat konkret mit den Lernproblemen unserer Kinder umgehen will“, führt sie aus.

Möchten Sie weitere nützliche Eltern-Tipps zu den Themen "Schule" und "Lernen"? Abonnieren Sie einfach unseren Newsletter.

Internate wie die Schloss-Schule Kirchberg unterstützen die Kinder, indem sie ihrem Lern- und Lebensalltag, mit teilweise individualisierten Lernplänen, feste Strukturen geben. „Rituale tun gut und geben gerade Kindern und Heranwachsenden Sicherheit und Halt“, betont Internatsleiterin Melanie Wies. Erziehungswissenschaftler und Studien wie die AOK Familienstudie bestätigen sogar, dass „zu viel Elternstress und ein strukturloser Alltag“ Kinder krank mache und „beim Nachwuchs verstärkt zu psychischen und körperlichen Problemen führen.“ An Internaten wie der Schloss-Schule beginnt der Tag daher mit einem gemeinsamen Frühstück und auch beim Mittag- und Abendessen sitzen alle zusammen am Tisch, besprechen die Geschehnisse des Tages; die Arbeitsstunde am Nachmittag wird gemeinsam verbracht – allesamt Rituale, die bei den Kindern ein familiäres „Wir-Gefühl“ vermitteln.

Gerade im Hinblick auf die gezielte Lernförderung profitieren Internate zudem von kurzen Wegen zwischen Schule und Privatleben, zwischen Erziehern und Lehrern. „Wir stimmen uns regelmäßig mit den Lehrern ab, gehen einfach schnell rüber und können so die Lernpläne der einzelnen Schüler immer wieder überprüfen oder anpassen“, sagt Melanie Wies. Eine intensive Abstimmung, die Eltern selbst beim besten Willen und stetem Kontakt mit Lehrkräften so nicht leisten könnten.

Ausschlaggebend für die Entscheidung Internat kann vieles sein: Berufliche Gründe der Eltern, ein pädagogisches Schulkonzept, das nicht in unmittelbarer Wohnortnähe angeboten wird „oder auch ein bewusster Wechsel im Umfeld der Kinder, um sie aus einer schwierigen Entwicklungsphase und unpassender Gesellschaft herauszuholen“, ergänzt Melanie Wies. 

In die Internatswahl sollte neben der pädagogischen Ausrichtung und der Übereinstimmung mit den eigenen Erziehungsgrundsätzen auch die Sprachenfolge, die zu erreichenden Abschlüsse, die Heimfahr- und Besuchsregeln sowie die Freizeitangebote mit einbezogen werden. Allem vorangestellt sei aber immer, „dass Kinder, die an unser Internat kommen auch von sich aus kommen wollen“, stellt die Internatsleiterin klar. Letzten Endes entscheidet dann der persönliche Kontakt und der Besuch des in Frage kommenden Internats, denn erst der Augenschein bestimme, ob das Kind sich an einem Internat wirklich wohl fühlen kann.

Auch bei der Familie aus Waiblingen war es rückblickend der persönliche Erstkontakt in Kirchberg, der nicht nur die Kinder überzeugte. „Auch mir als Elternteil sind dabei Ängste genommen worden, zum Beispiel dahingehend, den Alltag nicht mehr mit meinen Kindern erleben zu können“, erinnert die Mutter sich. Ihre Bedenken wurden aber bald zerstreut, als sie sah, wie „unheimlich selbständig und auch weltoffen“ ihre Kinder wurden und „wie entspannt wir an den Wochenenden zusammenkamen.“