„Mein Sohn ist so selbstständig geworden“, „Ich vermisse meine Tochter, aber unsere Beziehung hat sich total entspannt“, „Was – unser Sohn kommt regelmäßig in den Internatsrat und bringt sich ein?“.

Dies sind nur einige wenige Kommentare von Eltern, die über die Entwicklung ihrer Kinder staunen. Aus bockigen und türenschlagenden, aus sich verweigernden und sich entziehenden, aus schüchternen und ängstlichen Kindern werden welche, die gerne nach Hause fahren, die sich wieder im Familienverband wohl fühlen, die gelernt haben, Rücksicht zu nehmen, die selbstbewusst, aber nicht arrogant auftreten.

Die wenigsten modernen, städtisch geprägten Familien können ihren Kindern ein solches soziales Übungsfeld bieten wie ein Internat. Bei uns leben die Kinder und Jugendlichen in der Regel in alters- und geschlechtergetrennten Gruppen, weil wir bewusst keine Alternative zur Familie darstellen wollen. Dadurch haben gerade Jugendliche in der Pubertät die Möglichkeit, sich in anderen sozialen Strukturen zu entfalten und ihre Persönlichkeit zu entwickeln, ein Stück weit losgelöst vom Konfliktherd Familie.

Im Internat ist es der Zimmernachbar, der darauf besteht, dass die Anlage leiser gestellt wird, nicht die Mutter – und dieser Freund muss vielleicht am nächsten Tag mit Essen versorgt werden, weil er krank ist.

Uns ist es wichtig, dass die Jugendlichen nicht in Vormittagskursen soziales Lernen belegen müssen, sondern dass sie im Alltag am Internat lernen, über sich hinauszuschauen, lernen, den anderen wahr- und anzunehmen und sich für ihn einzusetzen.